Am 29.10.25 veranstaltet die Fachstelle Häusliche Gewalt einen landesweiten Fachtag in Dresden unter dem Titel: „Häusliche Gewalt im digitalen Zeitalter – Cybergewalt und technikgestützter Gewaltschutz“.
Häusliche Gewalt endet längst nicht mehr an der Wohnungstür – durch digitale Technologien dringt sie tief in den Alltag ein, kontrolliert und überwacht rund um die Uhr. Täterpersonen nutzen Smartphones, Apps, Soziale Netzwerke und Smart-Home-Geräte, um Betroffene auszuspionieren und einzuschüchtern – oft über die Trennung hinaus. Gleichzeitig entstehen durch digitale Mittel wie die elektronische Aufenthaltsüberwachung (Fußfessel) neue Möglichkeiten, Betroffene zu schützen und Täter zu kontrollieren.
Der Fachtag nimmt diese Ambivalenz technischer Entwicklungen in den Fokus:
- Wie setzen Gewaltausübende digitale Mittel zur Kontrolle ein?
- Was kann eine elektronische Fußfessel leisten – und wo liegen die Grenzen?
- Wie gelingt die Balance zwischen Datenschutz und Opferschutz?
Eingeleitet wird die Veranstaltung durch Grußworte des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz durch Amtschef Pietzcker und einer angefragten Vertretung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Einen zentralen Impuls liefert Prof. Dr. Nivedita Prasad, die die Digitalisierung geschlechtsspezifischer Gewalt analysiert.
Ein Höhepunkt des Fachtages ist neben den praxisorientierten Workshops am Nachmittag die Podiumsdiskussion zur elektronischen Aufenthaltsüberwachung mit Fachvertretungen aus Sachsen und dem Bundesgebiet. Dabei wird auch das Spanische Modell vorgestellt: Spanien verknüpft die Fußfessel mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket – von breiten öffentlichen Sensibilisierungskampagnen über ein klares politisches Bekenntnis gegen geschlechtsspezifische Gewalt bis hin zu landesweiten Hochrisiko-Konferenzen.
Der Fachtag greift dieses Vorbild auf und fragt: Welche Elemente lassen sich für Sachsen übertragen?
„Wer häusliche, geschlechtsspezifische digitale Gewalt wirksam bekämpfen will, muss zuerst sicherstellen, dass in der gesamten Hilfelandschaft Wissen über die digitalen Kontrollmöglichkeiten der Täter vorhanden ist. Betroffene müssen ernst genommen werden – auch wenn Gewalt über Smartphone, GPS oder vernetzte Geräte erfolgt – denn solange diese Formen der Zwangskontrolle nicht als reale Bedrohung anerkannt werden, greifen auch Maßnahmen wie Fußfesseln viel zu kurz und gefährliche Fälle bleiben ungesehen.“, so Lisa Rechenberg und Teresa Golschewski, Referentinnen der Fachstelle Häusliche Gewalt.
Ziel des Fachtages ist es daher, Fachkräfte zu sensibilisieren, digitale Dynamiken sichtbar zu machen und konkrete Handlungsperspektiven für Praxis, Politik und Gesellschaft zu entwickeln.
Pressekontakt:
Lisa Rechenberg und Teresa Golschewski
E-Mail: fs@gewaltfreieszuhause.info
