Juni 2024: Im Sommer wird sachsenweit gegen häusliche Gewalt und Stalking plakatiert

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Vom 30.07. bis 02.09. wird in Sachsen eine (Plakat-)Kampagne gegen Vorurteile im Gewaltschutz zu sehen sein. 

Die Landesarbeitsgemeinschaft Gewaltfreies Zuhause Sachsen e.V. (LAG GFZ) macht mit der Kampagne „Gewalt ist keine Meinung – Reiß die Vorurteile ein“ auf Herausforderungen im Hilfenetz aufmerksam.

Ende Juli 2024 greift die LAG Gewaltfreies Zuhause Sachsen e.V. mit drei verschiedenen Plakatmotiven Vorurteile aus der Praxis des Hilfesystems Häusliche Gewalt auf und entkräftet diese. Das Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, um Diskriminierungen gegen Betroffene zu verhindern und Strukturen im Gewaltschutz zu stärken. Für ein gewaltfreies Leben für alle.

Die drei Schwerpunktthemen sind Kinderschutz, Rassismuskritik und die Stärkung der Rechte der Betroffenen. Eines der drei Plakate widmet sich beispielsweise der sogenannten Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt). Diese Konvention ist ein geltendes Recht in Deutschland und schützt Frauen vor Häuslicher Gewalt. Das kann das Gesetz aber nur, wenn es auch im Familiengericht Anwendung findet. Genau dafür setzt sich der Verein ein. 

Die Kampagne ist notwendig, da immer noch nicht alle Betroffene effektiv vor Häuslicher Gewalt geschützt sind. Im Vergleich zum Jahr 2021 gab es in Sachsen im Jahr 2022 einen Anstieg um 10%  der Gewaltstraftaten im Bereich Häusliche Gewalt. Rund 20% aller in der polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Opfer sind Betroffene von Häuslicher Gewalt. Das geht dem Lagebild Häusliche Gewalt Sachsen hervor. Die Dunkelziffer ist weit höher, wie die aktuelle Dunkelfeldstudie zur Viktimisierung von Frauen durch häusliche Gewalt, Stalking und sexualisierte Gewalt in Sachsen bestätigt (vgl. Kruber et al. 2023).

Die Anforderungen der Istanbul-Konvention werden bundesweit und damit auch in Sachsen regelmäßig ausgehebelt – gerade in Sorge- und Umgangsverfahren vor dem Familiengericht. Es ist essentiell, rassistischen  und frauenfeindlichen Instrumentalisierungen von Gewaltschutzthemen keinen Raum zu geben, so die Vorständin Stefanie Thieroff der LAG GFZ.

Auch in Sachsen gibt es Lücken im Gewaltschutz 

Trotz Bestehen der Istanbul-Konvention attestiert ein vom Europarat beauftragtes Expert*innengremium (GREVIO) Deutschland zahlreiche erhebliche Lücken beim Schutz von Betroffenen von Häuslicher Gewalt. Diese kommen beispielsweise in familiengerichtlichen Verfahren um Sorge- und Umgangsrecht zu tragen. 

Die Gewalt gegenüber der Mutter wird in Familiengerichten noch zu selten auch als Kindeswohlgefährdung eingeordnet, dabei sind Kinder immer Mitbetroffene, wenn sie zuhause indirekt oder direkt Häusliche Gewalt erfahren”, sagt die Vorstandsfrau Stefanie Thieroff. 

Gerade Umgangssituationen, in denen das gewaltbetroffene Elternteil bei der Kindesübergabe auf den gewaltausübenden Elternteil trifft, sind noch immer besonders gefährliche Situationen. Sie können mit Gewalt bis hin zur Tötung enden, wie ein Fall aus dem Jahr 2023 in Crimmitschau in Sachsen zeigt. Das Expert*innengremium führt weiter an, dass betroffene Personen häufig nicht nur von geschlechtsspezifischer Gewalt durch ihre (Ex-)Partner*innen betroffen sind, sondern auch von rassistischen Strukturen. 

Gewaltschutz für alle, heißt auch: Betroffenengruppen nicht gegeneinander ausspielen

Gesellschaftspolitisch nehmen menschenfeindliche Tendenzen zu. Gewaltschutz wird gezielt zum Politikum gemacht und  instrumentalisiert, um rassistische und frauenfeindliche Ideen unter dem Deckmantel des Gewaltschutzes zu verbreiten. Sie verhindern und delegitimieren einen effektiven Gewaltschutz für alle. Die drei Plakate sind eine Antwort darauf und zeigen: Alle Menschen haben ein Recht auf ein gewaltfreies Leben, Betroffenengruppen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Ihre Spende hilft, den Gewaltschutz in Sachsen voranzubringen und unsere Zukunftsprojekte zu verwirklichen! Wir freuen uns über jede Unterstützung bei unserer Arbeit gegen häusliche Gewalt in Sachsen. 

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