Notwendiger Platzaufwuchs in Schutzeinrichtungen darf nicht zum Nachteil Betroffener und Fachkräfte sein

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Qualitätsstandards in Frauenschutzeinrichtungen sind grundlegende Voraussetzungen für professionelles Arbeiten der Fachkräfte sowie für eine sichere, stabilisierende und respektvolle Atmosphäre für Betroffene. Die vorliegenden Qualitätsstandards wurden im Jahr 2022 in einer Publikation durch den Landespräventionsrat Sachsen festgehalten. 

Ab S. 21 Qualitätsstandards in FrauenschutzeinrichtungenLink öffnet in einem neuen Tab

Eine hohe räumliche und strukturelle Qualität ermöglicht nicht nur Schutz und Privatsphäre, sondern sichert auch nachhaltige Unterstützungsprozesse. Fachkräfte benötigen hierfür angemessene Rahmenbedingungen, die Stress reduzieren, Handlungsspielräume erweitern und eine fachlich fundierte Arbeit gewährleisten.

Vor diesem Hintergrund formuliert die LAG Gewaltfreies Zuhause Sachsen e.V. Hinweise für Aus- und Umbaumaßnahmen sowie für notwendigen Platzaufwuchs. Diese Hinweise sollen sicherstellen, dass räumliche Planungen nicht allein durch quantitative Vorgaben gesteuert werden, sondern stets die fachlichen Anforderungen und Bedarfe der betroffenen Frauen und ihrer Kinder sowie der Fachkräfte in den Mittelpunkt stellen. 

Werden qualitative Standards gefährdet, darf Quantität nicht Vorrang erhalten, da dies unmittelbar die Qualität eines Aufenthalts in einer Schutzeinrichtung sowie der Arbeit der Sozialarbeiter*innen beeinträchtigt. Insbesondere bei der Neuanmietungen von Wohnungen oder beim Umbau ganzer Häuser zu Schutzhauszwecken, ist die Einbindung der Fachkräfte aus dem Hilfenetz Gewaltschutz zwingend erforderlich, denn ein Frauenschutzplatz ist mehr als “nur” eine Unterkunft, weil er neben akutem Schutz auch einen sicheren, stabilisierenden Lebensraum bietet, in dem professionelle Unterstützung, Privatsphäre, Kinderschutz, Beratung und langfristige Perspektiven für ein gewaltfreies Leben ermöglicht werden.

Die Erkenntnisse hierzu werden durch den Forschungsbericht „Interdisziplinäre Modellstudie zu Schutzeinrichtungen für erwachsene Betroffene von häuslicher Gewalt (mit deren Kindern) in Sachsen: Erfassung des baulich-räumlichen Bestands, Ermittlung von Handlungsbedarfen und typologische Weiterentwicklung“ untermauert. 

Die online zugängliche Studie, an der zahlreiche Schutzeinrichtungen in Sachsen teilgenommen haben, identifiziert essentielle Bedingungen für sichere und nachhaltige Schutzräume – darunter aufgezählt ist der Verzicht auf Mehrzweckräume, die Notwendigkeit abschließbarer privater Zimmer sowie ausreichende Platzressourcen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass räumliche Qualität ein zentraler Bestandteil wirksamer Schutz- und Unterstützungsstrukturen sein muss.

Hier geht’s zur Interdisziplinären Modellstudie Link öffnet in einem neuen Tab

Forderungen der LAG Gewaltfreies Zuhause für Aus- und Umbau sowie Platzaufwuchs

  • Der Bestandsschutz der Einrichtungen muss gewahrt werden.
  • Die Neuanmietungen von Wohnungen oder Häusern sowie Umbauten zu Schutzhauszwecken müssen zwingend in enger Abstimmung mit den Fachkräften aus dem Hilfesystem erfolgen.
  • Wenn Fachkräfte die Qualitätsstandards für Schutzeinrichtungen gefährdet sehen, darf nicht starr auf quantitative Vorgaben gesetzt werden.
  • Der quantitative Platzaufwuchs darf nicht zulasten der fachlichen Qualität und der Lebensqualität der betroffenen Frauen gehen.

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