Abschlussbericht zum Modellprojekt „IT-Beratung für Frauenhäuser“ und Handlungsempfehlungen für einen Strukturausbau im Hilfesystem
Der Schutzort Frauenhaus ist zunehmend gefährdet. Täter nutzen mit steigender Tendenz digitale Wege, um (Ex-)Partnerschaftsgewalt
auszuüben. Über Soziale Medien, Standort-Tracker und Cloud-Konten überwinden sie die räumliche Distanz zu Betroffenen: Sie kontrollieren, belästigen und bedrohen verstärkt auch digital. Oft hat diese Gewalt für Betroffene psychische, körperliche und finanzielle Auswirkungen und kann gefährdet ihre Sicherheit gefährden. Deshalb ist Beratung und Unterstützung durch das Hilfesystem bei digitaler Gewalt unabdingbar.
Interview mit Lisa Rechenberg: Fachstelle zu häuslicher Gewalt auf Landesebene, als Schnittstelle zwischen Fachpraxis und Politik
Was war der Anlass für euch, euch auch mit digitalen Dimensionen von Ex-Partnerschaftsgewalt auseinanderzusetzen?
LISA RECHENBERG: Wir haben immer wieder auch über das Thema digitale Gewalt gesprochen und auch in den Fachkräfterunden Wissen geteilt und Expert*innen wie die Fachstelle Medienpädagogik in Dresden eingeladen. Kolleginnen vom Frauenhaus in Dresden haben zum Beispiel am FHK-Modellprojekt zur IT-Beratung teilgenommen und dann berichtet, was sie dort gelernt haben und was für andere Mitglieder oder Fachkräfte wichtig sein könnte.
Die Fachstelle selbst hat einige Grundlagen-Vorträge zum Thema in Sachsen gegeben und das Wissen geteilt. Der große Anstoß, das Thema dann wirklich als Fachtag aufzugreifen, war eine Pressemitteilung im Frühling 2025, in der bekannt gegeben wurde, dass in Sachsen erstmals eine elektronische Fußfessel im Kontext häuslicher Gewalt angeordnet wurde, im Rahmen einer Führungsaufsicht. Im Netzwerk hat das zunächst für große Verwunderung gesorgt, weil dieser offizielle Startschuss sehr plötzlich kam. Niemand im Netzwerk hatte die betroffene Person zuvor in Beratung und es herrschte insgesamt viel Unklarheit darüber, was diese Maßnahme nun konkret bedeutet. Die Pressemitteilung des Justizministeriums hat viele Fragen aufgeworfen: Welche Fälle betrifft das genau? Wer entscheidet darüber? Wie wird die Fußfessel angebracht und kontrolliert?
Da haben wir gemerkt: Bevor die elektronische Fußfessel in einem größeren Rahmen Realität wird, sollten wir das Thema aufgreifen und Veranstaltungen dazu machen. Die Fußfessel ist eine digitale Maßnahme, die im besten Fall dazu beitragen soll, häusliche Gewalt einzugrenzen und insbesondere Hochrisikofälle – also Frauen mit hohem Tötungsrisiko – besser zu schützen, vor Femiziden. Uns war dabei wichtig, in dem Kontext zu zeigen, dass
„spanisches Modell“ nicht gleich elektronische Fußfessel bedeutet – so, wie es häufig in den Medien dargestellt wird. Das stimmt so nicht. Genau das wollten wir im Podium herausarbeiten: Wenn es wirklich ein ganzheitliches Schutzkonzept nach spanischem Modell geben
sollte, dann gehören noch andere Punkte dazu.
